Lehrer und Eltern

Eltern zeigen gegenüber LehrerInnen hinsichtlich ihrer Einstellung in der Regel zwei Varianten.

Manche Eltern aus den weniger privilegierten, so genannten „bildungsfernen“ Schichten erleben bei der Wiederbegegnung mit LehrerInnen eine Re-Aktivierung früherer Ängste und fühlen sich dann, wenn sie zum Elternabend oder zu einem Gespräch gebeten werden, zitiert und zensiert. Viele dieser Eltern fühlen sich nicht nur in der Begegnung mit LehrerInnen, sondern auch gegenüber ihren Kindern unsicher oder in Erziehungsfragen vollständig hilflos. Es ist außerordentlich bedeutsam, dass LehrerInnen in diesen Fällen die Chance erkennen, die Position dieser Eltern zu verstehen, Vertrauen aufzubauen, Angst auszuräumen und durch ein Bündnisangebot sowohl die Position der Eltern als auch die eigene pädagogische Position zu entlasten.
Manche Eltern aus der bürgerlichen, bildungsstarken Schicht reaktivieren bei der Begegnung mit LehrerInnen Revanchegefühle und meinen, ihren Kindern einen Dienst zu erweisen, wenn sie gegenüber der Schule eine chronisch-misstrauische Wächterposition einnehmen. Häufig kommt es hier gegenüber LehrerInnen zu Konkurrenzverhalten und Einmischungen in Fragen des Unterrichts. In diesem Fall ist es für Lehrkräfte wichtig, zwar zuzuhören, zugleich aber Kompetenz und Führungswillen zu zeigen, d.h. durch entsprechendes Auftreten (Sprache und Körpersprache) deutlich zu machen, dass man eine klare Vorstellung von dem hat, was man im Unterricht machen möchte und wie man es zu tun gedenkt.

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Es ist also überaus wichtig, dass Lehrkräfte auf Elternabenden – aber auch bei anderen Begegnungen mit Eltern „auftreten“ und – insoweit es ihre professionelle Arbeit betrifft – nicht nur verstehen, sondern auch Führung zeigen.
Anstatt sich in die Defensive drängen zu lassen und die Begegnung mit Eltern weitestgehend zu vermeiden, sollten Lehrkräfte jede sinnvolle Gelegenheit nutzen, den Eltern ihrerseits deutlich zu machen, dass kein erfolgreicher Unterricht geleistet werden kann, wenn Eltern den Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule gegenüber ihren Kindern nicht vorbehaltlos unterstützen und Kinder nicht aktiv zur Einhaltung sozialer Spielregeln anhalten. Der Appell darf sich dabei nicht auf Fragen der Disziplin beschränken, sondern sollte weitergehen. LehrerInnen sollten, auf der Basis ihrer pädagogischen Expertenposition, darauf hinweisen, dass

  • Beachtung und Zuwendung eine der wichtigsten Voraussetzungen für die kindliche Motivation darstellen,
  • übermäßiger Medienkonsum einen erwiesenermaßen nachteiligen Effekt auf die Lernleistungen hat und
  • Kinder einen gesunden Tagesrhythmus haben sollten (z. B. mit einem Mindestmaß an Schlaf und einem morgendlichen, möglichst gemeinsam mit dem Kind eingenommenen kurzen Frühstück vor Schulbeginn).

Quelle:
Bauer, Joachim, Unterbrink, Thomas & Zimmermann, Linda (2008). Gesundheitsprophylaxe für Lehrkräfte – Manual für Lehrer-Coachinggruppen nach dem Freiburger Modell. Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie: Universitätsklinikum Freiburg.




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