Kardinalfehler der Pädagogik

Gerhard Roth meint zu einer gehirngerechten Art der Wissensvermittlung, das bei der Strukturierung des Unterrichts weniger meist mehr ist. Der Lehrer muss im Unterricht wenig anbieten, das aber sehr professionell. Das bedeutet, zunächst den Anschluss an vorhandenes Wissen überprüfen, die Persönlichkeiten der Schüler besser kennen und den Stoff in Intervallpäckchen von maximal fünf Minuten anbieten. Mehr kann das Arbeitsgedächtnis, das etwa identisch ist mit der Aufmerksamkeit, nicht in einem Stück verarbeiten. Dann muss das Gehirn eine Pause von 30 Sekunden machen, der Lehrer sollte dann höchstens wiederholen, ein bisschen Luft schaffen, und erst dann kann man in einem nächsten Spannungsbogen weitere fünf Minuten unterrichten. Und das höchstens 30 Minuten lang, denn mehr geht nicht, da die Aufmerksamkeit so begrenzt ist, dass der Schüler ganz schnell überfordert ist. Der Kardinalfehler der herkömmlichen Pädagogik ist, dass sie von den Bedürfnissen der Lehrer ausgeht. Lehrer wollen häufig versteckte Professoren sein, d.h., sie wollen reden, sie wollen ein Lernziel erreichen und kümmern sich nicht um die Effektivität, also darum, was hängen bleibt. Dafür braucht es auch keine moderne Neurobiologie, denn die Ergebnisse der modernen Neurobiologie unterstützen nur all die Psychologen und Pädagogen, die ein solches Vorgehen immer schon gefordert haben.

Quelle
Die Presse vom 7.11.2010






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