Jungen und Mädchen werden in der Kinderkrippe unterschiedlich geprägt

Bietet eine frühkindliche Erziehung in der Krippe mehr Vor- oder Nachteile? Horst Eberhard Richter erinnert an Kinder, die in liberalen Krippen in Kibbuzim ihre Tage verbrachten und später eine überdurchschnittlich „weit fortgeschrittene Persönlichkeitsreife“ zeigten. Hendrik Berth und Kollegen beobachteten bei ehemaligen Absolventen einer autoritären DDR-Krippen-Erziehung seltenere Bedrohungsgefühle. Berth und Kollegen sehen in der früheren DDR einige signifikante Geschlechtsunterschiede: Frauen, die die Krippe besuchten, und Männer, die zuhause aufwuchsen, haben höhere Angst- und Depressionswerte. Ähnlich gegensätzliche Ergebnisse zeigen sich bei der Zukunftszuversicht: Männer ohne Krippenerfahrung und Frauen mit Krippenerfahrung sind jeweils optimistischer. Bessere Schulnoten hatten die Frauen, die die Krippe besuchten – und die Männer, die sie nicht besuchten.
Bei den Aspekten politische Einstellung, Bindung und Arbeitslosigkeit zeigen Berth und Kollegen, „dass sich der frühkindliche Krippenbesuch nicht negativ für das Erwachsenenalter auswirkt. Anderseits kann für diejenigen, die eine Krippe besuchten, auch kein Vorteil aufgezeigt werden: Die Teilnehmer sind nicht weniger belastet, weniger arbeitslos usw.“
Johanna Brückner und Kollegen diagnostizieren zwar bei ehemaligen Krippenkindern der DDR häufiger eine gewisse Nähe zum Chauvinismus und zum Sozialdarwinismus; dies führen die Untersucher allerdings nicht auf die Krippenbetreuung als solche, sondern auf den spezifischen autoritären Erziehungsstil zurück. „Krippe ist nicht gleich Krippe.“
Ähnlich wie Richter sieht auch Elisabeth Brainin die besonderen, essentiellen Bindungsbedürfnisse des Kleinkindes, warnt jedoch vor einer unrealistischen Idealisierung der Mutter-Kind-Beziehung: „Sowohl die orale als auch die anale Entwicklungsphase der Kinder können zu Kampfplätzen zwischen Eltern und Kindern werden und bilden dann das solide Fundament für eine sado-masochistische Entwicklung …“
Horst-Eberhard Richter: „Zahlreiche ganztags zuhause lebende Kinder werden durch neurotische, reizbare, unbefriedigte Mütter stärker belastet als in der Gemeinschaftsbetreuung durch gut geschulte Erzieherinnen.“ Richter verweist darauf, „wie Eltern oft unbewusst ihre eigenen ungelösten Konflikte und inneren Spannungen an ihren Kindern zu deren Schaden abreagieren. Vielfach sind es unglückliche, unausgefüllte, überbesorgte oder nörgelnde Mütter, die schon auf Kleinkinder Ängste, Misstrauen oder Verstimmungen übertragen …“






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