Internationalisierung im Bildungsbereich

Durch die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in Europa musste das österreichische Bildungssystem, welches vorher in den nationalen und historischen Kontext eingebunden war, reformiert werden. In den 70er Jahren wurde die Initiative „Bildung als Bürgerrecht“ eingefordert, welche vor allem die Gerechtigkeit als leitendes Ziel hatte. In den 80er spielt die Qualitätsentwicklung an einzelner Schule eine entscheidende Rolle. Die in den 90er Jahren geführte Debatte um die Schulautonomie war vor allem auf die standortbezogenen Entwicklungsarbeit gerichtet. Durch den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union gab es Änderungen, nicht nur in der österreichischen Gesellschaft, sondern auch im Bildungssystem. Ziel war es das Bildungssystem gegenüber wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen zu öffnen, um auf die vielfältige zukünftige gesellschaftliche Entwicklung vorbereitet zu sein. 20 Jahre nach dem EU-Beitritt wurde eine Kooperation zwischen den Bildungssystemen erzielt. Dies ist vor allem auf den Lissabon-Prozess zurückzuführen, welcher Europa als einen wettbewerbsfähigen, wissensbasierten Wirtschaftsstandort, sieht. Im Laufe dieses Prozesses diskutieren die BildungsministerInnen, dass der Übergangsprozess zur Wissensgesellschaft, nur durch eine erfolgreiche Bildungspolitik erreicht werden kann (vgl. Dobart, 2009, S.408ff).
Im Rahmen des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“ gab die EU-Bildungskooperation unterstützende Beiträge für die Qualitätsentwicklung:

  • Anhebung der Qualität und verbesserte Wirksamkeit der Systeme
  • Sicherung des kontinuierlichen Zugangs zur Bildung für alle
  • Öffnung der Bildungssysteme gegenüber der Welt

Ausgehenden von der EU wurden „Peer Learning Clusters“ eingerichtet, welche erfolgreiche Bildungspolitiken in bestimmten Mitgliedsstaaten genauer untersuchten. Darüber hinaus wurden Zwischenberichte bezüglich Qualitätsfortschritten vereinbart. Die gesetzliche Verankerung von Bildungsstandards ist ein wichtiges Ergebnis dieser Arbeit. Weiteres wurden Mobilitätsaktivitäten eröffnet, wie zum Beispiel Erasmus, Leonardo da Vinci, welche der Förderung der individuellen Mobilität und der Öffnung und verstärkten Kooperation zwischen Bildungseinrichtungen, Wirtschaft und Gesellschaft dienen (vgl. Dobart, 2009, S.411f).

Durch internationale Vergleichsstudien, wie PISA, bestimmt die Bildungspolitik im hohen Maße politische Diskussionen. Seit PISA ist eine stärke Orientierung an Ergebnissen gegeben, welche die Möglichkeit schafft für eine neue Balance zwischen Input und Outcome zu sorgen und Verantwortung für neue Ergebnisse zu übernehmen. (S. 412f).
Durch die globale Dynamik und die Änderung von Qualifikationsprofilen ist es notwendig, sich mit einem lebenslangen Lernprozesses weiterzuqualifizieren. Für den Bildungsbereich bedeutet dies, den notwendigen Prozess der Qualitätssicherung kontinuierlich weiterzutreiben, aber auch den Augenmerk auf Steigerung der Innovationsfähigkeit und Kreativität zu setzten (vgl. Dobart, 2009, S.413f).
Kreativität und Innovation durch lebensbegleitendes Lernen
Jeder Bürger muss in der Wissensgesellschaft durch Nutzung des kreativen Potentials zu einer innovativen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung beitragen. Die Aufgabe des Bildungssystems ist es, das Kreativpotential zu fördern. Dafür brauchen die europäischen Bildungssysteme selbst einen Innovationsschub. Die Lehrkräfte spielen dabei eine Schlüsselrolle, sie sollen eher als „learning guides“, statt reiner Wissensvermittler fungieren. (S. 414).
Das BMUKK führt eine Reihe von Maßnahmen und Veranstaltungen durch, welche die inhaltliche Auseinandersetzung mit Innovation und Kreativität im Bildungsbereich zum Ziel haben. Die zentralen Punkte waren die Methoden, welche zur Vermittlung von Schlüsselkompetenzen notwendig sind, und wie innovative Entwicklungen der Bildungssysteme selbst effizienter umgesetzt werden können (vgl. Dobart, 2009, S. 414f)
Laut der Erkenntnisse sind die Personenebene, die institutionelle Ebene und die Systemebene zu beachten. Es soll vermehrt auf strategische Zielsetzung gesetzt werden, dies vor allem in Bezug auf Heterogenität der Lernenden und gesellschaftliche Vielfalt. Anzustreben ist „leadership by learning“, welches eine Balance zwischen Eigenverantwortung und Vorgaben vorsieht. Für dieses Konzept ist eine adäquaten Lehrerprofessionalität und einer entsprechenden Lernkultur notwendig. Durch offene Lernräume, Entwicklung von Eigenverantwortung und Selbständigkeit sollen individuelle Lernfortschritte und Schülerpotentiale gefördert werden. Dies bedeutet, dass das Schulgeschehen verstärkt auf die Bedürfnisse der SchülerInnen abgestimmt gehört. Die Schulen brauchen neue Formen des Zeitmanagements und eine Formatierung des Lernens, was natürlich dazu führt, dass das System der Schule offener wird. Weiteres sollten sich Schulen mit der unmittelbaren Umwelt abstimmen und Ergänzungen durch neue Diskussionsforen, wie Stakeholder, entgegen nehmen (vgl. Dobart, S. 415ff).

Literatur
Dobart, A. (2009). Internationalisierung im Bildungsbereich. Erziehung und Unterricht, 159, 408-418.






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