Fünf Domänen der Professionalität von LehrerInnen – EPIK

In einer Neufassung von LehrerInnenprofessionalität sollte der bisherige theoretische Diskussionsrahmen gesprengt werden, was bedeutet, sowohl den Blick konkret auf die Kompetenzen der LehrerInnen zu werfen, als auch die Rahmenbedingungen des Bildungssystems zu beleuchten. Nicht nur in Österreich sondern im gesamten EU-Raum werden Fragen, die sich Professionalität und Professionalisierung von LehrerInnen beschäftigen diskutiert. Die fünf Domänen der LehrerInnenprofessionalität sollen neue Denkmuster in die Praxis bringen und „next practice“ ermöglichen: Dieser Musterwechsel wird anders und jenseits der üblichen Routinen gestaltet und durch selbstreflexive Prozesse der Lehrenden werden sowohl die strukturellen und institutionellen Rahmenbedingungen als auch die didaktischen Zugänge kritisch reflektiert. Daraus entwickelt sich ein neues Professionsbewusstsein und vielfältige Entwicklungsperspektiven können entstehen.
Domänen beschreiben zum einen individuelle Kompetenzen, verlangen entsprechendes Wissen und Können von den LehrerInnen, sie setzen aber gleichzeitig Strukturen voraus, in denen diese Kompetenzen entstehen, wachsen und sich weiter entwickeln können. Domänen sind Ausdruck eines „professionellen Habitus“ von LehrerInnen, unabhängig davon, in welchem Bildungsbereich sie tätig sind. Sie stellen damit eine Art „verbindende Klammer“ dar, die über alle Schultypen hinweg die Professionalität von LehrerInnen ausmacht. Die Domänen müssen zwar von den Subjekten erarbeitet und entwickelt werden, können sich jedoch nur dann voll entfalten, wenn neben individuellen Lernprozessen auch höherstufige Prozesse und Entwicklungsschübe im Sinne von „next practice“ des gesamten Systems stattfinden. Die Domänen eröffnen vielfältige Anknüpfungspunkte für Überlegungen zur Schulentwicklung, zur Weiterentwicklung der Aus- und Fortbildung der LehrerInnen und für solche pädagogischen Konzepte, die die Vielfalt der Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt stellen.


Diese fünf Domänen von Professionalität von LehrerInnen bestimmen das LehrerInnenhandeln im Alltag, und zwar weitgehend unabhängig von Schultyp und Fach. Die entwickelten Domänen bieten Anregungen für die Gestaltung von LehrerInnenbildung, machen wissenschaftliche Erkenntnisse zugänglich und liefern Impulse und inhaltliche Bausteine. Der Fokus wird einerseits auf den zu verändernden organisatorischen Rahmen von LehrerInnenarbeit gelenkt, andererseits werden individuelle Bildungs- und Lernprozesse der Lehrerinnen als entscheidenden Ansatzpunkt gefördert. So werden beide Perspektiven – die Systemebene und die subjektive Ebene – gleichermaßen berücksichtigt. Die entworfenen Domänen machen deutlich, dass eine Weiterentwicklung der Strukturen des Bildungssystems erforderlich sein wird, aber gleichzeitig auch die Person der Lehrerin bzw. des Lehrers aufgefordert ist, in und mit diesen Strukturen als Expertin bzw. als Experte in diesem Sinne „professionell“ umzugehen. Die Verschränkung der beiden Perspektiven ist Voraussetzung für die erfolgreiche Implemtierung der entwickelten Domänen – um sie als neue Denkmuster in die Praxis zu bringen. Daraus kann sich ein neues Professionsbewusstsein entfalten und vielfältige Entwicklungsperspektiven können entstehen.

Siehe dazu auch Was den Lehrer in der Schule erwartet – Anmerkungen zum Berufsbild des Lehrers und zu einer verbesserten Aus- und Weiterbildung

Literatur
Schratz, Michael, Schrittesser, Ilse, Forthuber, Peter, Pahr, Gerhard, Paseka, Angelika & Seel, Andrea (2008). Domänen der Lehrer/innen/professionalität: Rahmen einer kompetenzorientierten Lehrer/innen/bildung (S. 123-138). In Christian Kraler & Michael Schratz (Hrsg.), Wissen erwerben, Kompetenzen entwickeln. Münster: Waxmann.




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