Facebook-Kultur: Der Wertewandel in den Gemeinschaftsbeziehungen

Der Wertewandel bei Gemeinschaftsbeziehungen äußert sich darin, dass immer häufiger ein auf die Gemeinschaft orientiertes Handeln nicht mehr die Beförderung der Ziele des Kollektivs zum Ziel hat, sondern vielmehr die Realisierung des individuellen Nutzens, d. h., an Gemeinschaften interessiert nicht mehr das, was diese sind, also ihre Ziele oder ihre Werte, sondern ausschließlich das, was man durch die Teilhabe an ihnen erreichen kann. Das bedeutet nichts anderes, als die Mitmenschen einem Zweckprinzip zu unterwerfen, sodass der Wert des Menschen an sich hinter dem Nutz- oder Tauschwert zurück tritt, dessen Träger er ist. Der Mensch ist austauschbar geworden, ersetzbar durch einen anderen Menschen, der Träger nützlicherer Eigenschaften, Fähigkeiten oder Kontakte ist, wodurch in einer Zeit des ausgeprägten Individualismus die Individuen auf den Wert ihrer Wirkung reduziert werden. In dieser Verzweckung der Zwischenmenschlichkeit, der Verwandlung des Individuums in austauschbares Sozialkapital, wird etwa Freundschaft immer weniger möglich, ist diese doch von der Vorstellung abhängig, etwas um eines anderen willen zu tun oder sich um einen Menschen nur um dieses Menschen willen zu sorgen. In dieser Verzweckung der Freundschaftsbeziehungen liegt durchaus ein Grund dafür, dass heute viele Menschen zwar viele Bekannte und äußerst wenige Freunde haben, denn eine instrumentelle Zwischenmenschlichkeit kann wohl nur oberflächliche und flüchtige Bekanntschaften generieren – siehe die Facebook-Kultur.

Literatur

Heinzlmaier, B. (2011). Die Werte der Jugend in Zeiten der moralischen Krise. Wien: Institut für Jugendkulturforschung.






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