Erziehungsratgeber und die Folgen

Viele Eltern entwickeln nach Ansicht von Experten Angst vor dem Erziehen, denn Ratgeber und in den Medien kursierende Studien legen die Messlatte für Erfolg in der Erziehung immer höher und tragen damit oft ungewollt zur Verunsicherung von Müttern und Vätern bei. Viele Eltern entwickeln angesichts solchen an sie herangetragenen Erziehungswissens ein schlechtes Gewissen und stehen unter dem Druck, einem idealisierten Elternbild zu entsprechen. Hinzu kommt, dass Eltern, die alles richtig machen wollen allmählich auch eine Belastung für das Kind werden können. Xenia Frenkel nennt in ihrem Buch „Kinder erziehen“ einige dieser überzogenen und nicht erfüllbaren Ansprüche:

  • Grenzenlos liebende Eltern: Eltern sind auch nur Menschen und jeder Mensch hat seine individuellen Liebes- und Verständnisgrenzen. Und doch: Liebe ist das größte Geschenk, das Eltern machen können. Doch sie reicht keineswegs aus, damit aus Kindern verantwortungsvolle, fürsorgliche, kompetente Erwachsene werden.
  • Jedes Kind gleich geliebt: Natürlich lieben Eltern jedes ihrer Kinder, aber nicht jedes Kind in gleicher Weise. Denn kein Kind gleicht dem anderen und jedes Kind braucht etwas anderes. Es gibt auch immer wieder Zeiten, in denen Eltern und Kinder nicht so gut zusammenpassen. Das betrifft nicht nur die Pubertät. Schon wenn ein Kind phasenweise vor Vitalität schäumt, können Eltern seine Wildheit als anstrengend und intensiv erleben und sich innerlich dem ruhigeren Geschwisterchen zuwenden.
  • Eltern müssen sich aufopfern: Wer immer nur nach den anderen schaut, verliert sich selbst aus den Augen. Psychologen vermuten, dass sich hinter übertriebenener Aufopferung auf Elternseite in der Regel ein satter Egoismus verbirgt, wenn auch auf eine indirekte Art. Sie verpflichtet nämlich zu ewigem Dank. Das ist keine Grundlage für eine gute Beziehung, die eigentlich immer auf einer ausgeglichenen Bilanz von Geben und Nehmen beruht.
  • Eltern wissen immer, was das Kind braucht: Beim besten Willen können Eltern nicht immer wissen, was in ihrem Kind vorgeht. Kinder leben in einer völlig anderen Vorstellungs- und Fantasiewelt. Eltern müssen die Bedürfnisse ihrer Kinder weder erahnen noch umgehend erfüllen. Die verzögerte Bedürfniserfüllung ist eine der wichtigsten Erfahrungen, die Kinder machen sollen.

Quelle: Abschied vom „Supereltern-Wahn“, OÖN vom 25. September 2012

 






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