Der Einstieg in den Unterricht

Ein gelungener Start ist eine entscheidende Bedingung
für guten Unterricht.
Göldner

Der Einstieg in den Unterricht kann schon durchaus entscheidend für den Lernerfolg sein. Es empfiehlt sich, bei den Lernenden zunächst ein Ungleichgewicht auszulösen, denn ein Ungleichgewichtszustand erzeugt in der Regel Aufmerksamkeit, weil Lernende umgehend versuchen, wieder das kognitive und emotionale Gleichgewicht herzustellen. Diese Bewegung kann man durch bewusste Provokationen am Beginn von Unterrichtseinheiten auslösen, etwa durch auch emotional anregende Fragen, Thesen, Fälle und Probleme. Dann gilt es das Vorwissen zu aktiveren. So kann man in Murmelgruppen einen kurzen Austausch anregen und den Lernenden die Möglichkeit geben, anderen ihre eigenen Gedanken zum Thema mitzuteilen, was das Vorwissen der Lernenden gleich beim Einstieg aktiviert. Auch ein Brainstorming oder Brainwriting ist hier als Einstieg denkbar. Dann gilt es, relevante und für Lernende attraktive Ziele zu formulieren. Die Aussicht darauf, dass die folgende Unterrichtseinheit Antworten oder Lösungen für die aufgeworfenen Fragen bringt, d. h., den zu Beginn hergestellten Ungleichgewichtszustand aufzulösen hilft, weckt Interesse und Engagement. Was nun im Unterricht zu lernen ist, sollte in die Sprache der Lernenden gebracht und mit Fragen oder mit einem praktischen Bezug zu einer Situation oder einem Problem verknüpft werden. Wenn man Einstiege in seinen Unterricht auf diese Art gestaltet, wird man die Aufmerksamkeit der Lernenden wecken und deren Interesse und deren Motivation stärken. Schliesslich macht auch ein Unterricht bei motivierten Lernenden auch dem Lehrenden selber mehr Spass.

Siehe dazu auch Formen guten Unterrichts.


Menschen lernen besser,
wenn sie wissen, was sie lernen.

Einige Thesen zum Unterrichtseinstieg

Stundeneröffnungsrituale bestehen aus immer wiederkehrenden und daher sofort verständlichen, verkürzten und ritualisierten Handlungen, die vielfach in symbolischen Andeutungen mit Aufforderungscharakter verdichtet sind.

Unterrichtseinstiege dienen der Formierung der Sinne und der Stillstellung der Schüler-Körper, d. h., sie haben sowohl eine Erschließungs- als auch eine Disziplinierungsfunktion.

Der Unterrichtseinstieg soll mit unmittelbarer oder mittelbarer Hilfe des Lehrers die SchülerInnen für das Thema und das Thema den Schülern erschließen.

Der thematische Einstieg zu Beginn einer Stunde soll in möglichst kurzer und konzentrierter Form am Stoff der vorigen Stunde anknüpfen und den Lernenden die Arbeitsergebnisse der letzten Stunde, die offen gebliebenen Probleme, die vorgeschlagenen Lösungsstrategien oder die Meinungen einzelner wieder in das Gedächtnis rufen.

SchülerInnen können prinzipiell nicht durch irgendwelche Tricks motiviert werden, sondern entwickeln Lernbereitschaft nur durch eine klare Präsentation dessen, was gelernt werden soll.

Ein erfolgreicher Lehrer gibt’s den SchülerInnen die Ziele des Unterrichts bekannt (mündlich oder schriftlich),  eine Übersicht über den geplanten Stundenverlauf und seine Abschnitte, und begründet, warum die Ziele wichtig sind.

Der Vortrag soll lebendig, kurz und gut gegliedert sein.

Durch die Orientierung der SchülerInnen über den geplanten Unterrichtsablauf wird die Verbindlichkeit der Arbeit gesichert.

Der Einstieg soll den SchülerInnen helfen, sich auf das Lernen einzustellen und nicht in erster Linie den Lehrenden das Lehren erleichtern.

Aus der Art und Weise, in der ein routinierter Lehrender seine Unterrichtseinstiege zu gestalten pflegt, können Rückschlüsse auf das Fachverständnis und die Fachkompetenz, auf das Unterrichtsverständnis und das Schülerbild eines Praktikers gezogen werden.

Literatur
Grell, J. & Grell, M. (1999). Unterrichtsrezepte. Weinheim, Basel, Berlin: Beltz Verlag.
Meyer, H. (2004). Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen Verlag.
Hammerer, F. (1998). Offene Lernsituationen anspruchsvoll gestalten. In: Freund, J. Gruber, H. Weidinger, W. (Hrsg.), Guter Unterricht – Was ist das?. S. 35-56. Wien: ÖBV Pädagogischer Verlag.





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