Denk- und Sprachförderung in Kindertagesstätten

Es wurde in früheren Studien nachgewiesen, dass ein Training zum induktiven Denken auf die Intelligenz von Schulkindern positive Effekte hat. In einer Reihe von Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Kinder nach solchen Trainings den Lernstoff besser aufnehmen können. Der Einsatz von induktiven Übungsaufgaben erfolgt vor dem Schuleintritt soll den Kindern bessere Startbedinungen ermöglichen. Dadurch die Sprachkompetenz bei den Schulkindern vor dem Schulstart erhöht und die Verarbeitung von Wissen durch eine induktive Strategie erleichtert.

„Dreißig Schüler aus einer siebten und einer achten Klasse einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen (ehemals Sonderschule für Lernbehinderte), die in den relevanten Merkmalen vergleichbar waren, nahmen an einem Experiment zur Gedächtnisstrategie des Kate gorisierens teil. Nach Erhebung der Vortests wurde jeweils die Hälfte einer jeden Klasse auf die unterschiedlichen Treatments aufgeteilt. Während die eine Gruppe ein Training des induktiven Denkens erhielt („Denktraining für Jugendliche“, Klauer, 1993), erhielt die andere Gruppe ein Aufmerksamkeitstraining. Dieser erste Versuchsabschnitt endete mit der Erhebung des Intelligenztests CFT 20. Danach wurden beide Gruppen in der Gedächtnisstrategie des Kategorisierens oder Clusterns unterwiesen. Das Denktraining führte zu höheren Leistungen im CFT 20 und in den Variablen der Gedächtnisleistung (in der „Anzahl der reproduzierten Items“ und im „Grad der kategorialen Organisation“). Dies sowohl unmittelbar nach Trainingsende als auch nach sechs Monaten trainingsfreier Zeit, nachdem beide Gruppen eine kurze Auffrischung entsprechend des Trainings in der ersten Phase erhalten hatten. Die zusätzliche Analyse auf Einzelfallebene für die Gedächtnisvariablen des zweiten Nachtests zeigt, dass die Schüler, die das Denktraining erhalten haben, eine vier- bis fünffache höhere Erfolgschance bei der Lösung der Gedächtnisaufgabe haben als die Schüler, die mit dem Aufmerksamkeitstraining trainiert wurden“ (Sonntag, 2010, S. 5).

Noch nicht geklärt wurde, ob solche Verbesserungen auch erreicht werden können, wenn solche Tests „Keiner ist so schlau wie ich“ (Marx & Klauer, 2007) auch von Erzieherinnen in Kindertagesstätten anstatt von speziell dafür ausgebildeten studentischen Mitarbeitern,durchgeführt werden.
An der Studie nahmen 96 Kinder aus 18 Regelkindertagesstätten teil. Es wurde ein Training entwickelt, das im Unterschied zu den bereits vorhandenen Tests von Klauer auch ohne Vorkenntnisse und Schulungen durchgeführt werden kann. Die Ergebnisse der Studie wurden mit Kindern verglichen, die nicht an solchen Tests teilgenommen haben. Die Effekte des Trainings auf die Intelligenz war erwartungsgemäß bereits nach den ersten Tests deutlich erkennbar. Dies wurde gleich nach dem Training überprüft. Um festzustellen ob auch längerfristig dieses Training von Vorteil für die Kinder war, wurde anhand eines weiteren Tests nach 12 Wochen überprüft. Auch dort zeigte sich, dass die Ergebnisse der Trainingsgruppe signifikant besser als jener der Kontrollgruppe waren. Nach dem Training sind die Leistungen der Kinder in den Bereichen Intelligenz, Syntax, Morphologie und Semantik um einiges besser, als bei den nicht trainierten Kindern. Die Leistungen sind also nicht nur kurzfristig sondern dauern auch an, wie bei diesem Follow-up-Test gemessen wurde. Es ist daher sinnvoll, dass Denk- und Sprachförderungen bereits in Kindertagesstätten zum Einsatz kommen sollten, da dies für Kinder mit Sprachdefiziten hilfreich ist. Siehe dazu auch

Literatur

Klauer, K. J. (1998). Begünstigt induktives Denken den Erwerb der Gedächtnisstrategie des Kategorisierens? Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 12,
73-84.
Klauer, K. J. & Phye, G. D. (2008). Inductive. Reasoning: A training approach. Review of Educational Research, 78, 85-123.
Marx, E. & Klauer, K.. J. (2007). Keiner ist so schlau wie ich I. Ein Förderprogramm für Kinder ab vier Jahren. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Sonntag, Wolfgang (2010). Fördert induktives Denken die Gedächtnisstrategie des Kategorisierens bei lernbehinderten Sonderschülern? Empirische Sonderpädagogik, 1, 5-21.




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