Cyberbullying in virtuellen sozialen Netzwerken

Nach neueren Studien ist jeder dritte Jugendliche schon Opfer von Hänseleien und Angriffen im Netz geworden ist, wobei das Mobbing offensichtlich das frühere Attackieren im Schulhof ersetzt. Dabei geht es nicht nur um verletztende SMS, sondern der größte Teil findet in sozialen Netzwerken wie schülerVZ statt. Durch die Anonymität des Internets ist die Hemmschwelle für Mobbing-Attacken geringer geworden und lässt sich sehr selten nachweisen. Betroffene Kinder und Jugendliche tun sich schwer, anderen von den virtuellen Angriffen zu erzählen, denn sie haben Angst, dass die Eltern dann das Internet verbieten.
Bullying wird im Deutschen auch als Mobbing bezeichnet und bedeutet, dass Kinder mit Sticheleien oder Hänseln andere Kinder seelisch verletzten, wobei Mobbing auch oft unkontrolliert und auch unabsichtlich von Kindern stattfindet.
Einer der Ausgangspunkte vieler Studien zu diesem Thema war der Tod eines 14-jährigen amerikanischen Buben, der sich aufgrund solcher Beschimpfungen erschossen hatte (vgl. Meadows, 2005, zit. nach Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 33). Außerdem wollte man in Deutschland darauf aufmerksam machen, dass das Internet nicht nur nützliche Seiten hat, sondern auch gefährliche (vgl. Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 33). Diese Studie wurde anhand von Beobachtungen und Befragungen durchgeführt. Für die Befragungen, die direkt in den Schulklassen stattfand, stellten sich 1700 Schüler von weiterführenden Schulen zur Verfügung (vgl. Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 35).
Man wollte dabei herauszufinden, wie verbreitet Cyberbullying in Internet-Chatrooms ist, um eine Skala zur Erfassung von Cyberbullying zu erstellen und mögliche Determinanten von Cyberbullying in Internet-Chatrooms zu erkennen (Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 41).
Cyberbullying ist deshalb häufig, da es einfach ist, seine ganzen Emotionen/Aggressionen auf andere loszulassen und wo geht das leichter als in solchen Internet-Chatrooms? Es ist eine einfache Art, Menschen zu beschuldigen oder fertig zu machen, die man nicht einmal kennen musss. Zur Erleichterung für zukünftige Untersuchungen wurde eine Skala zur Erfassung von Cyberbullyingverhalten entwickelt, die aber auch jederzeit, mit kleinen Veränderungen, auf andere mögliche Tatorte, wie z.B. Mobiltelefon oder E-Mailing angewendet werden kann (vgl. Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 41).
Durch das Beantworten der Fragen, die an die Jugendlichen gestellt wurden, könnte man feststellen, dass ein Zusammenhang zwischen Täterschaft in der Schule und in Internet-Chatrooms besteht. Kinder die in der Schule andere Leute diskriminieren, machen dies auch im Internet (vgl. Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 41).
Manche diskriminierte Kinder versuchen sich im Internet oft zu rächen, da der Machtunterschied zwischen „Outsider“ und „Insider“ oder zwischen „Mädchen“ und „Junge“ nicht so stark erkennbar ist, wie im wirklichen Leben. Im Internet kann man eine eigene Identität annehmen und gegen andere Leute vorgehen. Dabei kommt auch häufig zu einem Täterwechsel (vgl. Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 41). Kinder wollen oft die eigenen Gefühle oder Ängste verdrängen und dies geht am leichtesten, wenn man sieht, dass es anderen noch viel schlechter geht als einem selbst. Darum werden oft die Kinder von geschiedenen oder berufstätigen Eltern, die keine Zeit mehr für ihre Sprösslinge haben, zum Täter (vgl Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 41). Die Kinder, die Gewalt auf andere anwenden, stehlen oder oft schwänzen, werden auch manchmal zum Anwender von Cyberbullying. Ebenfalls Schüler, die sich nicht oder nur schlecht in eine Klasse oder Gruppe integrieren können (vgl. Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 41). Auch Schulzugehörigkeit weist ein Risikofaktor für Cyberbullying auf. Berufsschüler sind mehr gefährdet als Gymnasiasten und Real- und Gesamtschüler. Ebenso wie der Bildungsgrad einen Rolle mit der Chatraumnutzung spielt. Realschüler und Gesamtschüler sind länger im Internet als Gymnasiasten und Berufschüler (vgl. Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009,
S. 42).
Die Aggressionsforschung und die Entwicklungspsychologie sollten versuchen, die Entwicklung von Bullying genau im Auge zu behalten. Es können jederzeit neue Technologien entwickelt werden, die von Kinder benützt werden um andere unschuldige Kinder fertig zu machen. Darum sollten laufend immer wieder neue Studien gemacht werden, um den Anstieg von Bullying zu vermindern (Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 42). Für weitere Forschungen sollen auch die Hauptschüler miteinbezogen werden, da sie ein höheres Gewaltaufkommen als andere Schüler haben (vgl. Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 42). Weiters soll die Anonymität im Internet verhindert werden. Die Kinder sollen, wenn sie mit jemanden übers Internet kommunizieren wollen, sich mit ihrer eigenen Identität anmelden müssen (vgl. Katzer, Fechtenhauer & Belschak, 2009, S. 42).

Quellen:
sueddeutsche.de vom 1.6.2009
Katzer, C., Fechtenhauer, D. & Belschak, F. (2009). Cyberbullying in Internet-Chatrooms – Wer sind die Täter?. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 41 (1), 33-44.




Eine Reaktion zu “Cyberbullying in virtuellen sozialen Netzwerken”

  1. Thomas

    Sehr interessanter Beitrag. Es lohnt sich darüber nachzudenken.

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