Theorien

Catch- und Hold-Faktoren im interessefördernden Unterricht

Für die Realisierung von interesseförderndem Unterricht muss man wissen, wie Interessen entstehen, wie sie sich entwickeln und wie man als Lehrerin oder Lehrer diese Entwicklung beeinflussen kann. Grundsätzlich  nimmt man eine kontinuierliche Interessengenese an, wobei auf der ersten Stufe eine zunächst an sich uninteressante Gegenstandsauseinandersetzung in ein aktuelles Interesse umgemünzt wird. Dies gelingt etwa, wenn diese Auseinandersetzung mit Begleitumständen und -themen verknüpft wird, die für die SchülerInnen interessant sind. Man spricht in diesem Zusammenhang von Catch-Faktoren, die das aktuelle Interesse eines Schülers wecken. Auch eine zunächst rein extrinsisch motivierte Gegenstandsauseinandersetzung kann über die Erfahrung von Catch-Impulsen bei der eigentlichen Auseinandersetzung zu aktuellem Interesse führen. In einem zweiten Schritt geht es um eine mittel- bis langfristigen Stabilisierung des aktuellen Interesses am Interessengegenstand, wobei diese Auseinandersetzung die Persönlichkeitsstruktur des interessierten Schülers bzw. der interessierten Schülerin aktualisieren soll, sodass er oder sie allmählich dem Interessengegenstand eine allgemeine Wertschätzung entgegenbringt. Die Elemente des Gegenstands bzw. der Gegenstandsauseinandersetzung, die stabilisierend auf das Interesse wirken, bezeichnet man als Hold-Faktoren. Der letzte Schritt schließlich umfasst due Übernahme des aktuellen Interesses in die dispositionale Struktur des Schülers oder der Schülerin, sodass das aktuelle Interesse zum dispositionalen Interesse werden kann. Während im Unterricht eine kurzfristige Erzeugung und mittelfristige Stabilisierung von aktuellem Interesse noch relativ einfach möglich ist, ist die langfristige Stabilisierung und der Übergang vom aktuellen zum dispositionalen Interesse nur schwer und über längere Zeiträume hinweg zu erreichen. Zu einer Stabilisierung des aktuellen Interesses kann es nämlich nur dann kommen, wenn der Schüler oder die Schülerin eine Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sowohl auf der rationalen Ebene als wichtig und mit ihren eigenen Zielen vereinbar erlebt, als diese auch auf der emotionalen Ebene als positiv erlebt.




Interesse als Beziehung zwischen Person und Gegenstand

Die person-object-theory of interest bestimmt den Begriff des Interesses als eine Beziehung zwischen einer Person und einem Interessengegenstand, wobei dieses Interesse eine planvolle und zielgerichtete Beschäftigung einer Person mit einem als bedeutsam erlebten Gegenstand induziert. Dies setzt allerdings voraus, dass die interessierte Person bereits eine gewisse Vorstellung vom Interessengegenstand bzw. von der Interessenhandlung entwickelt hat.

Man unterscheidet dabei grob die Interessen als dispositional oder aktuell, denn ist die Auseinandersetzung mit einem Gegenstand intrinsisch motiviert, d. h., dass die Interessenhandlung alleine auf dispositionale Eigenschaften der Person zurückzuführen ist, so spricht man von dispositionalem Interesse. Ein solches Interesse ist quasi fester Bestandteil der Persönlichkeitsstruktur und nur langsam wenn überhaupt veränderbar. Demgegenüber ist das aktuelle Interesse an einem bestimmten Gegenstand sowohl auf das bestehende dispositionale Interesse der Person, als auch auf die konkrete Situation der Gegenstandsauseinandersetzung zurückzuführen. Diese Situation beinhaltet äußere Anreize, die die Handlung am Gegenstand interessant machen.

Eine Interessenhandlung ist allerdings niemals ausschließlich extrinsisch motiviert, sondern enthält immer auch dispositionale Elemente. Beide Arten des Interesses besitzen dabei stets drei Komponenten: Die epistemische Komponente beschreibt das Bedürfnis der Person nach Erweiterung von Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen bezüglich des Interessengegenstandes; die emotionale Komponente beschreibt die positiven Gefühle, die mit der interessanten Gegenstandsauseinandersetzung verbunden werden; die wertbezogene Komponente beschreibt eine persönliche Wertschätzung des Interessengegenstandes und die Identifikation der Person mit diesem. Diese Komponenten können auch als generelle Merkmale des Interesses verstanden werden, denn sie sind bei jeder Interessenhandlung mehr oder weniger stark ausgeprägt zu finden.

Literatur

Krapp, A. & Prenzel, M. (Hrsg.) (1992). Interesse, Lernen, Leistung. Neuere Ansätze einer pädagogisch-psychologischen Interessenforschung. Münster: Aschendorff.
Prenzel, M., Krapp, A. & Schiefele, H. (1986). Grundzüge einer pädagogischen Interessentheorie. Zeitschrift für Pädagogik, 32, 163-173.
Schiefele, H., Prenzel, M., Krapp, A., Heiland, A. & Kasten, H. (1983). Zur Konzeption einer pädagogischen Theorie des Interesses. München: Institut für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie.