Schule

Fünfer im Semesterzeugnis: Was tun?

Andreas Girzikovsky, Leiter der Schulpsychologie am Landesschulrat Oberösterreich sagt, dass ein Fünfer im Semesterzeugnis kein Drama ist: „Man sollte einen Fünfer in der Schulnachricht als das nehmen, was er ist: Eine Rückmeldung, dass man nach derzeitigem Stand das Jahresziel nicht erreichen würde. Ein Fünfer ist kein Drama.“ Dabei sind Schimpfen oder Strafen die falschen Reaktionen, denn ein Fünfer löst beim Schüler ohnehin ein schlechtes Gefühl aus. Man sollte die negative Note zwar ernst zu nehmen, aber die Gründe sachlich zanalysieren und dann gemeinsam Strategien überlegen, was besser gemacht werden kann. Dazu ist es hilfreich, den Lehrer oder andere Außenstehende zu kontaktieren, denn oft hilft der Blick von außen, um ein System zu ändern. Wenig hilfreich ist es, in den Ferien zusätzliche Lernstunden einzuplanen, denn dadurch fühlt sich das Kind benachteiligt und versetzt sich in eine Opferrolle. Die Ferienwoche sollten alle Schüler zum Durchschnaufen verwenden, egal wie das Zeugnis ausfiel, denn Pausen sind wichtig, um Energie zu tanken und auf andere Gedanken zu kommen. Danach geht es neu motiviert weiter.

Quelle: OÖN vom 18. Februar 2017




Zwischenzeugnisse und Lernentwicklungsgespräch

Zwischenzeugnisse liefern eine Bilanz zur Hälfte des Schuljahres und sollen darüber informieren, wie sich eine Schülerin oder ein Schüler im Unterricht entwickelt hat und welcher Leistungsstand inzwischen erreicht ist. Dann ist bis zum Ende des Schuljahres Zeit, die Leistungen zu optimieren, wobei es wichtig ist, rechtzeitig auf einen Leistungsabfall zu reagieren und die Ursachen dafür zu finden. Eltern sollten zunächst schauen, wie es um die Leistungsfähigkeit ihres Kindes steht und wie sich die Noten auf die weitere Schullaufbahn oder den Berufswunsch auswirken könnten. Als alternative Möglichkeit zu einem Zwischenzeugnis bietet sich übrigens ein dokumentiertes Lernentwicklungsgespräch an, denn wichtig ist es, die Leistungen der Kinder als Prozess anzuerkennen. Da hinter jedem guten Zeugnis immer auch eine hohe Leistungsbereitschaft steckt, sollten Eltern dafür ihre Tochter oder ihren Sohn loben, und fallen die Noten nicht so gut aus, sollte dies als Hinweis gewertet werden, dass Probleme anstehen und gemeinsam nach möglichen Lösungen gesucht werden muss. Ein Halbjahreszeugnis bietet auch immer eine große Chance für einen Neuanfang, sodass Eltern in einem offenen und vertrauensvollen Gespräch ihre ernsthaftes Verständnis für die Nöte und Sorgen ihrer Kinder und Jugendlichen in einer entspannten Atmosphäre zeigen sollten.
Damit Maßnahmen wirksam greifen können, müssen deshalb zunächst die Ursachen der aufgetretenen Schwierigkeiten analysiert werden, wobei Ursachenforschung nach Ansicht von Experten dabei immer in der Partnerschaft von Eltern-Lehrer-Schüler betrieben werden sollte. Vielfach denken Eltern bei schulischen Schwierigkeiten schnell an Nachhilfe, doch Nachhilfe kann zwar als eine Maßnahme bei Leistungsschwierigkeiten in einem einzelnen Unterrichtsfach durchaus sinnvoll sein, sollte jedoch immer zeitlich begrenzt werden. Oft liegt die Ursache für schulische Probleme auch darin, dass Schülerinnen und Schüler zuerst das richtige Lernen lernen müssen, wobei Schulpsychologen und qualifizierte Beratungslehrer helfen können.

Quelle
http://www.schulamt-dillingen.de/index.php/presse/2014 (15-11-21)




Carl Rogers 10 Prinzipien des Lernens

  1. Menschen haben ein natürliches Lernpotential.
  2. Lernen von Bedeutung findet statt, wenn der Schüler glaubt, dass der Lernstoff wichtig für ihn und seine Interessen ist.
  3. Lernen, das eine Veränderung eigenen Anordnung der Selbstwahrnehmung beinhaltet, ist bedrohlich und ruft meistens Widerstand hervor.
  4. Die Lernprozesse, die für das Selbst bedrohlich sind, werden leichter wahrgenommen und aufgenommen, wenn äußere Bedrohungen minimal sind.
  5. Wenn die Bedrohung des Selbst gering ist, kann Erfahrung detailliert stattfinden und der Lernvorgang kann weitergehen.
  6. Viel Lernen von Bedeutung findet durch Handeln statt.
  7. Lernen ist leichter, wenn der Schüler Verantwortung für den Lernprozeß übernimmt.
  8. Selbsttätiges Lernen, das die ganze Persönlichkeit des Lerners – sowohl Gefühle als auch Intellekt – einbezieht, ist am längsten anhaltend und am allumfassendsten.
  9. Unabhängigkeit, Kreativität und Selbstvertrauen sind einfacher, wenn Selbstkritik und Selbsteinschätzung von größerer Wichtigkeit sind als die Bewertung durch andere.
  10. Das gesellschaftlich nützlichste Lernen in der heutigen Welt ist lernen zu lernen, ständig offen zu sein für Erfahrungen und den Veränderungsprozeß in die eigene Persönlichkeit aufzunehmen.

Die Übersetzung der Rogers-Prinzipien stammt von Ralph Gehrke