Kategorie-Archiv: Populärwissenschaftliches

Nainas Twitter-Kurzschluss

Auf ihrem Twitter-Account hat die 17-jährige Naina am 10. Januar um 13.49 Uhr ins World Wide Web geschrieben: „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ Binnen weniger Stunden lesen Tausende diesen Tweet im Netz und binnen kurzer Zeit wurde der fast 12 000-mal geteilt und rund 21 500-mal favorisiert. Darüber hinaus hat Nainas Beitrag eine Diskussion darüber ausgelöst, inwiefern es überhaupt Aufgabe einer Bildungseinrichtung sein kann und muss, auf derlei Alltagsprobleme vorzubereiten. Wie weit geht der Aufgabenbereich der Schule, wann kommen die Eltern ins Spiel und wo fängt die Eigenverantwortung an?

Aus pädagogischer Sicht liegt hier ein großes Missverständnis in bezug auf schulische Ausbildung vor, denn eine Jugendliche, die in der Lage ist eine Gedichtanalyse in vier Sprachen zu schreiben, ist sicherlich in der Lage, sich das Wissen zu Steuern, Miete oder Versicherungen in kurzer Zeit anzueignen bzw. die notwendigen Informationen zu finden, am leichtesten vermutlich mit Hilfe des Internet. Hingegen ist es äußerst unwahrscheinlich, dass eine an Steuern, Miete oder Versicherungen ausgebildete Schülerin dazu fähig ist, eine Gedichtanalyse in vier Sprachen zu schreiben.

Siehe dazu Das exemplarische Lernen – das Wesen der genetischen Didaktik.


Pubertäts-Überlebensbrief & Notfall-Fibel Pubertät

Immer wieder findet man Kurioses im Internet im Zusammenhang mit erzieherischen Fragen. So findet man Angebote für Eltern, wie sie sich auf die Pubertät ihrer Kinder vorbereiten sollen. Das nennt sich dann griffig „Pubertäts-Überlebensbrief“ und „Notfall-Fibel Pubertät“, die für mehr oder minder teures Geld an die Eltern gebracht werden sollen! Wörtlich heißt es: „Sie sollten sich deshalb frühzeitig Informationen und Tipps zum Thema Pubertät einholen, damit Sie nachher nicht die Hölle auf Erden haben!“
Pubertät Überlebensbrief NotfallfibelWeder gilt es die Pubertät zu überleben noch handelt es sich bei der Pubertät um einen Notfall oder gar eine potentielle Hölle auf Erden, vielmehr geht es in dieser Zeit um eine gemeinsame Neudefinition einer Beziehung, bei der es keine allgemeinen Regeln gibt, sondern aufbauend auf der gemeinsamen, individuellen Geschichte einen Weg für die eines Tages unausweichliche Trennung und Neubindung zu finden.
Die einzigen Dinge, die in dieser Zeit notwendig sind, sind Liebe und Respekt.
Quelle
Bildquelle
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/Emile.gif (15-07-21)

Begriffe: notfallfibel pupertät, postpubertaet, pubertaetsueberlebensbrief, Pubertäts-Überlebensbrief

Wie kann man Konflikte zwischen Kleinkindern lösen?

Kinder in diesem Alter sind noch nicht empathiefähig, denn sie entwickeln die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen erst im Laufe der nächsten Jahre. Solange die Möglichkeit zur klaren sprachlichen Artikulation noch weitgehend fehlt, führt der Weg, Emotionen und Wünsche auszudrücken, noch über körperliche Aktionen und die Stimme, etwa durch Weinen oder Kreischen. Kinder lernen den Umgang mit Konflikten vor allen über das Vorbild der Erwachsenen, d. h., ein Erziehender oder eine Erzieherin, die ein Kleinkind gegen dessen Willen von Ort A nach B trägt, anstatt sich die Mühe zu machen, es auf andere Art zum Mitkommen zu bewegen, vermittelt zunächst, dass der Einsatz körperlicher Gewalt und Überlegenheit in Ordnung ist. Bei der Kommunikation mit dem Kind in einer Konfliktsituation gilt die Null-Toleranz-Regel, d. h., wendet ein Kind körperliche Mittel an, reagiert man sofort und unterbricht diese Aktion, wobei man das ruhig und freundlich tun soll, denn das Kind tut nichts Böses, denn es kann noch nicht anders handeln und muss erst lernen, wie es anders mit der Situation umgehen kann. Eine Intervention im Krisenfall sollte in zwei Schritten erfolgen, indem man mit einer deutlichen Geste körpersprachlich die Aktion unterbricht und danach die Kind eranspricht, denn nur dann kann man sich auch der Aufmerksamkeit der Kinder sicher sein. Wichtig ist, eine Handlungsanweisung zu geben, nicht nur ein Verbot auszusprechen, denn der kindliche Verstand kann Verneinungen oft nicht richtig verarbeiten, sondern führt zu einer Überforderung. Eine klare, freundliche Anleitung bringt das Kind viel schneller ans Ziel, wobei es nicht angebracht ist, in Tonfall und Wortwahl einen Tadel auszusprechen. Es geht in einer solchen Situation nicht darum, bei einem Kleinkind ein Verhalten, das entwicklungsbedingt noch unfertig ist, zu bestrafen, sondern dem Kind zu zeigen, was nicht geht und wie es richtig geht. Nur so kann es für die Zukunft lernen und man vermeidet dabei, Kinder zu Opfern und Tätern zu machen. Kann ein Kind in diesem Alter noch keinen selbstständigen Satz formulieren, muss man nachfragen und dem Kind bei der Artikulation seines Problems helfen und es weiter bei der Klärung unterstützen. Oft hat ein Kind während der Intervention schon das Interesse verloren, dennoch ist die Kontrolle danach wichtig, denn das gibt den Kindern für die Zukunft Sicherheit. Bei kleineren Kindern sollte man stets auch Lösungen anbieten, für die Kinder sich entscheiden können, um Kinder an konstruktive Konfliktlösungen heranzuführen.

Siehe dazu Wie soll ich meinem Kind Grenzen setzen?