Kategorie-Archiv: Lehrerbildung

Catch- und Hold-Faktoren im interessefördernden Unterricht

Für die Realisierung von interesseförderndem Unterricht muss man wissen, wie Interessen entstehen, wie sie sich entwickeln und wie man als Lehrerin oder Lehrer diese Entwicklung beeinflussen kann. Grundsätzlich  nimmt man eine kontinuierliche Interessengenese an, wobei auf der ersten Stufe eine zunächst an sich uninteressante Gegenstandsauseinandersetzung in ein aktuelles Interesse umgemünzt wird. Dies gelingt etwa, wenn diese Auseinandersetzung mit Begleitumständen und -themen verknüpft wird, die für die SchülerInnen interessant sind. Man spricht in diesem Zusammenhang von Catch-Faktoren, die das aktuelle Interesse eines Schülers wecken. Auch eine zunächst rein extrinsisch motivierte Gegenstandsauseinandersetzung kann über die Erfahrung von Catch-Impulsen bei der eigentlichen Auseinandersetzung zu aktuellem Interesse führen. In einem zweiten Schritt geht es um eine mittel- bis langfristigen Stabilisierung des aktuellen Interesses am Interessengegenstand, wobei diese Auseinandersetzung die Persönlichkeitsstruktur des interessierten Schülers bzw. der interessierten Schülerin aktualisieren soll, sodass er oder sie allmählich dem Interessengegenstand eine allgemeine Wertschätzung entgegenbringt. Die Elemente des Gegenstands bzw. der Gegenstandsauseinandersetzung, die stabilisierend auf das Interesse wirken, bezeichnet man als Hold-Faktoren. Der letzte Schritt schließlich umfasst due Übernahme des aktuellen Interesses in die dispositionale Struktur des Schülers oder der Schülerin, sodass das aktuelle Interesse zum dispositionalen Interesse werden kann. Während im Unterricht eine kurzfristige Erzeugung und mittelfristige Stabilisierung von aktuellem Interesse noch relativ einfach möglich ist, ist die langfristige Stabilisierung und der Übergang vom aktuellen zum dispositionalen Interesse nur schwer und über längere Zeiträume hinweg zu erreichen. Zu einer Stabilisierung des aktuellen Interesses kann es nämlich nur dann kommen, wenn der Schüler oder die Schülerin eine Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sowohl auf der rationalen Ebene als wichtig und mit ihren eigenen Zielen vereinbar erlebt, als diese auch auf der emotionalen Ebene als positiv erlebt.


Konflikttraining nach Gordon

Nach Gordon (1999) ist das Ziel des kooperativen Gesprächs, dass die Streitparteien auf einen Sieg zugunsten eines Kompromisses verzichten, sodass keiner eine Niederlag“ einstecken muss bzw. sein „Gesicht verliert. Geschult wird dabei das Argumentations- und Denkvermögen, während gleichzeitig der Abbau von Feindseligkeiten gefördert wird. Gordon empfiehlt bei der Vorgehensweise sechs Schritte:

  • den Konflikt identifizieren,
  • mögliche Alternativlösungen entwickeln,
  • die Alternativlösungen kritisch bewerten,
  • sich für die beste annehmbare Lösung entscheiden,
  • Wege zur Ausführung der Lösung ausarbeiten,
  • spätere Überprüfung der Lösung.

Gordon  betont dabei die Vorzüge von Ich-Botschaften, die für das Gegenüber weniger bedrohlich wirken, und in der Folge zu mehr Offenheit und Ehrlichkeit führen, sowie Vertrauen und die Bereitschaft fördern, sich zu ändern. Eine zentrale Rolle im Konflikttraining nach Gordon spielt das aktive Zuhören, das hilft, über Konflikte nachzudenken, sich auszusprechen und mit damit verbundenen negativen Gefühlen fertig zu werden. Man lernt dabei, dass man keine Angst vor eigenen Gefühlen haben muss, und dass mit Phantasie und Kreativität beim Aussprechen und Durchdenken der Probleme Lösungen von Konflikten gefunden werden können. Darüber hinaus werden Empathiefähigkeit sowie Beziehungen im Allgemeinen verbessert. Dieses Programm ist nach Ansicht von Gordon zwar keine Lösung für jedes Problem, aber ein geeigneter Ansatz in der Gewaltprävention und eine Möglichkeit zur Verbesserung von Kommunikations- und Interaktionsstrukturen.

Literatur
Gordon, T. (1999). Lehrer-Schüler-Konferenz. Wie man Konflikte in der Schule löst. München: Heyne.
Hanke, Ottmar (2004). Gewaltprävention in der Schule. Zentrale Fragestellungen und Umsetzung in der Klasse. Die Deutsche Schule, 96, 68-84.
Stangl, W. (1998). Erfolgreiches Lehrerverhalten.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LEHREN/Erfolgreiches-Lehrerverhalten.shtml (98-07-04)


Linzer Diagnosebogen zur Klassenführung – LDK

Der Linzer Diagnosebogen zur Klassenführung (LDK) von Johannes Mayr, Ferdinand Eder, Walter Fartacek & Gerlinde Lenske ist ein Fragebogen zum Führungshandeln von LehrerInnen, der aus Forschungen zur Klassenführung und aus praktischen Erfahrungen in der Lehrerbildung hervorgegangen ist. Der Test für Lehramtsstudierende und LehrerInnen gedacht, die sich Klarheit über ihr pädagogisches Handeln sowie über dessen Rahmenbedingungen und Auswirkungen verschaffen möchten, um ihr Handeln weiter zu entwickeln, wobei sich der Test auch als Forschungsinstrument für einschlägige Untersuchungen eignet.

Details finden sich her: Lehrerin oder Lehrer werden?