Archive for the ‘Lehren’ Category

Attention getter – Aufmerksamkeit bei Referaten

Freitag, März 29th, 2013

Attention getter sind gezielt eingesetzte rhetorische Elemente, mit denen es fast immer gelingt, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu gewinnen oder falls diese sich bereits langweilen, diese wiederzugewinnen. Attention getter können überall verwendet werden, vielleicht schon in der Einleitung aber auch im Hauptteil. Attention getter sollten aber sparsam eingesetzt werden, denn sie sind wie Gewürze beim Kochen: ein Zuviel kann ein ganzes Gericht verderben, ein Zuwenig aber auch.

Eigene Lebensgeschichte
Fordern Sie Ihre Zuhörer auf, sich an wichtige Stationen der eigenen Lebensgeschichte zu erinnern. Mit etwas Geschick lassen sich fast immer und zu fast jedem Thema Anlässe finden: Erinnern Sie sich doch bitte einmal an Ihren ersten Computer! Wie war es damals, als Sie Ihre erste Wohnung bezogen haben? Können Sie sich noch daran erinnern als Sie Ihren ersten Vortrag gehalten haben? Zuhörer schätzen in der Regel eine solche Erinnerungspause, denn was gibt es Interessanteres als die eigene Person!

Ungewöhnliches
Alles was aus dem Rahmen fällt erregt Aufmerksamkeit. Haydens Symphonie mit dem Paukenschlag ist ein Beispiel, wie der Konzertbesucher vom Träumen abgehalten werden. Nun arbeiten Sie bei einem Vortrag mit Worten und nicht mit Musik. Sie sollten also nach ungewöhnlichen und unerwarteten Aspekten Ihres Stoffes suchen. Ich habe lange Zeit z.B. Statistik unterrichtet. Dabei war es für mich immer wieder beeindruckend, wie stark den Teilnehmern meiner Kurse die Tatsache in Erinnerung blieb, dass der englische Ausdruck für Mittelwert „average“ in einem engen Zusammenhang mit dem Wort „Havarie“ steht. Ging in Zeiten der Segelschiffahrt bei einem Sturm ein Teil der Ladung verloren, so war es in der Regel die Decksladung. Die Ladung unter Deck war sicherer. Der Gerechtigkeit halber wurde nun der entstandene Schaden von allen Besitzern der Ladung – also auch denen, deren Ladung den Hafen sicher erreichte – getragen, der Schaden wurde also gemittelt.

Geld, Schatz, Vermögen
Alles was mit viel Geld und Vermögen zu tun hat beflügelt unsere Phantasie. Nutzen Sie diese Tatsache. Wenn Sie darauf hinweisen können, daß ein Softwarefehler der eigenen Firma einen Schaden von 3,6 Millionen DM beschert hat (was man dafür alles kaufen könnte!), so können Sie sich der Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer gewiss sein. Dieser Attention getter wirkt aber auch umgekehrt: Sie können sich der Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer sicher sein, wenn Sie Ihnen Wege zum Sparen aufzeigen.

Tod, Chaos, Unheil
Dem Schrecken durch Tod, Chaos und Unheil kann sich niemand entziehen. Hört man davon, so kann man kaum einschlafen. Ich erinnere mich gut an einen Vortrag eines Zahnmediziners, der über die Belastung des Amalgams durch Quecksilber sprach. Zum Beleg seiner Ausführungen zitierte er Messungen, die man an den Schornsteinen von Krematorien gemacht hatte. Das ist sicher makaber – gleichzeitig aber auch ein mächtiger Erinnerungsanker.

Beziehungen zwischen den Geschlechtern
Alles was mit der Beziehungen der beiden Geschlechter zu tun hat oder auch nur entsprechende Assoziationen zuläßt, lässt uns aufhorchen. Einem Soziologen, der einen Vortrag über die moderne Verwaltung hält, würde ich empfehlen, als Beispiel lieber das Standesamt als das Katasteramt oder das Finanzamt zu wählen.

Sex, Money and Crime als rhetorische Mittel?
Ja sicher – wenn man sich im Klaren darüber ist, dass man sparsam mit diesen Gewürzen umgehen sollte. Die Frage der Angemessenheit können nur Sie von Fall zu Fall beantworten.

Quelle
Gralki, H. (1998). Wie gestaltet man einen Vortrag?
WWW: http://paedpsych.jku.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/PRAESENTATIONORD/PRAESENTATIONLITERATUR/Gralki.html (02-12-12)



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Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien

Freitag, Februar 4th, 2011

I like L3TDas Lehrbuch für Lehren und Lernen mit Technologien ist mit 1.2.2011 frei zugänglich verfügbar , in dem 115 AutorInnen, über 80 GutachterInnen sowie viele weitere Personen das Themenfeld umfassend dargelegt haben. Ab Ende Mai 2011 gibt es das Buch auch als Printversion.

Dieses Buch soll freien Zugang (Open Access) zu seinen Inhalten, entsprechend der Grundannahme, dass die freie öffentliche Verfügbarkeit von Forschung einem weltweiten Wissensaustausch zugute kommt. Alle Kapitel werden frei zum Download angeboten werden. Gedruckte Exemplare werden über einen Verlag käuflich erwerbar sein. Sämtliche Inhalte des Webportals unterliegen der Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported License

Man kann dieses gemeinnützige Projekt unterstützen und nachhaltig sichern, wenn man einfach Pate eines Kapitels wird.

Link: http://l3t.tugraz.at/index.php/LehrbuchEbner10 (11-02-02)



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Brain-Based Learning and Teaching

Sonntag, Oktober 10th, 2010

Renate Caine (2006) hat unter dem Titel „Brain-Based Learning and Teaching“ angeblich neueste Forschungsergebnisse aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gehirnforschung in zwölf plakative und für PädagogInnen und LehrerInnen verständliche Lernprinzipien zusammengefasst, wobei man sich nun vorstellen muss, dass alle diese Prozesse beim Lernen gleichzeitig ablaufen (nach Arnold, 2006):

  • Prinzip 1: Lernen ist physiologisch.
  • Prinzip 2: Das Gehirn ist sozial.
  • Prinzip 3: Die Suche nach Sinn ist angeboren.
  • Prinzip 4: Die Suche nach Sinn geschieht durch die Bildung von (neuronalen) Mustern.
  • Prinzip 5: Emotionen sind für die Musterbildung wichtig.
  • Prinzip 6: Das Gehirn verarbeitet Teile und das Ganze gleichzeitig.
  • Prinzip 7: Zum Lernen gehört sowohl die gerichtete Aufmerksamkeit als auch die periphere Wahrnehmung.
  • Prinzip 8: Lernen ist sowohl bewusst als auch unbewusst.
  • Prinzip 9: Es gibt mindestens zwei Arten von Gedächtnis. Die eine ist die Speicherung und Archivierung von isolierten Fakten, Fertigkeiten und Abläufen, die andere ist die gleichzeitige Aktivierung vielfältiger Systeme, um Erfahrungen sinnvoll zu verarbeiten.
  • Prinzip 10: Lernen ist entwicklungsbedingt.
  • Prinzip 11: Komplexes Lernen wird durch Herausforderung gefördert und durch Angst und Bedrohung verhindert, was mit Hilflosigkeit und Erschöpfung begleitet ist.
  • Prinzip 12: Jedes Gehirn ist einzigartig.

Ergänzt werden diese Prinzipien der Neurodidaktik durch triviale Aussagen wie „Das Gehirn ist nicht darauf angelegt, Einzelinformationen, sondern Konzepte und übergeordnete Zusammenhänge zu erfassen, die es dann flexibel in neuen Situationen anwenden kann“, „Das Gehirn nimmt ständig über die Sinne wahr, verarbeitet, speichert, beobachtet und reagiert auf ankommende Informationen von innen und aussen. Dadurch entwickelt es sich immer weiter und höher“, „Lernen ist erst dann sinnvoll, wenn es wie im alltäglichen Leben in eine Erfahrung eingebettet ist“, „Lernen findet in einer ständigen Umsetzung des Gelernten in neuen Kontexten statt“ oder „Informationsverarbeitung aus der Sicht des Gehirns läuft in einer kontinuierlichen, aufeinander aufbauenden Abfolge von Wahrnehmung, Entscheidung, Verarbeitung, Handlung und Feedback ab“.

Diese angeblich aus der neuesten Gehirnforschung abgeleiteten Prinzipien sind bei genauerer Betrachtung schon lange in der Psychologie bekannte Erkenntnisse, wie Menschen lernen bzw. wie sie im Laufe ihres Lebens auf natürliche Weise Erfahrungen und Wissensinhalte sammeln. Die meisten dieser Prinzipien sind mehr oder minder trivial. Diese Zusammenstellung von Prinzipien beweist, wie sehr es der Neurowissenschaft gelungen ist, das „Rad des Lernens“ neu zu erfinden. Damit ist Caine jedoch nicht allein, denn auch in deutschen Landen gehen Gehirnforscher landauf landab, um ihre bahnbrechenden Erkenntnisse zum menschlichen Lernen unter die Menschen zu bringen. Für einen Psychologen ist es faszinierend zu beobachten, dass heute schon der Hinweis genügt, dass es sich um ein Forschungsergebnis der Gehirnforschung handelt, um den meist trivialen Inhalten einen wissenschaftlichen Gehalt zu verleihen. Kurioserweise nähert man sich in solchen Arbeiten einem Reduktionismus (Gehirn=Mensch), den man in der Psychologie nicht einmal in den Anfängen ernsthaft vertreten hat
Ich empfehle allen „Neuro-Gläubigen“, sich einmal mit den Grundlagen der Psychologie auseinanderzusetzen, wie sie in jedem Lehrbuch der Psychologie zu finden sind.

Quellen
Arnold, Margret (2006). Brain-Based Learning and Teaching – Prinzipien und Elemente. In Herrmann, U. (Hrsg.), Neurodidaktik (S. 145 – 158). Weinheim und Basel: Beltz.
Caine, Renate & Caine, Geoffrey (1997). Education on the Edge of Possibility. Alexandria VA.



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