Archive for the ‘Ausbildung’ Category

„Lehrerbildung neu“ in Österreich

Montag, Juli 25th, 2011

Eine ExpertInnengruppe unter der Leitung von Peter Härtel hat einen detaillierten Endbericht zu den im Dezember 2009 präsentierten Empfehlungen über Vorschläge für eine Neugestaltung der Aus-, Fort- und Weiterbildung aller pädagogischen Berufe vorgelegt.

Alle LehrerInnen sollen künftig an einer tertiären universitären Einrichtung ausgebildet werden, also auch jene im Elementarbereich der Null- bis Zwölfjährigen. Gerade Pädagoge für junge Kinder zu sein ist mindestens so anspruchsvoll wie bei Älteren, wobei Kinder im Kindergartenalter nie dieselbe Konzentriertheit wie Ältere liefern, zudem kann eine verletzende Erziehung im frühen Alter die größten Schäden anrichten. Auch die Verknüpfung von Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrer und mehr Eigenverantwortung älterer Schüler gehören zu den Zielen, denn jungen Erwachsenen muss das Selbst-Wollen gelehrt werden, denn Hausübungskontrolle alleine infantilisiert bloß. Angesichts des Wandels in der Arbeitswelt brauchen Schüler mehr Vorbereitung auf Phasen der Arbeitslosigkeit, was etwa durch Schlüsselkompetenzen und Stärkung des Selbstwerts gelinge, denn die heutige Identifikation über die bezahlte Arbeit allein führt hingegen zur Frustration.

Das Drei-Phasen-Modell der LehrerInnenbildung
Die ExpertInnengruppe empfiehlt ein gesamthaftes, umfassendes DreiPhasen-Modell für die LehrerInnenbildung NEU, das die Attraktivität pädagogischer Berufe hebt, stringente Verfahren zur Auswahl und Aufnahme vorsieht und eine klar aufeinander aufbauende, miteinander verknüpfte und durchlässige Struktur für Grundbildung, Berufseinführung und weiterführende Phasen des lebenslangen Lernens – Fortund Weiterbildung – vorsieht.
Die neue Bildungsstruktur stärkt und erweitert für alle pädagogischen Berufe die fachwissenschaftliche und pädagogische Grundund Weiterbildung und führt in keinem Bereich zu einem Absenken bisher verlangter Ausbildungsanforderungen.
Die Curriculum-Architektur mit dem Drei-Phasen-Modell
Grundbildung (erste Phase)

Die Grundbildung wird grundsätzlich als Bachelorstudium gestaltet.
Das Curriculum des Bachelorstudiums umfasst einerseits einen für alle Berufsziele gleichen Teil für den Erwerb gemeinsamer Kernkompetenzen und andererseits ein modulares System von Studieninhalten für die Vorbereitung auf die unterschiedlichen beruflichen Einsatzfelder.
Mit jedem Bachelorabschluss ist die Berufsfähigkeit in einem bestimmten Einsatzbereich verbunden.
Berufseinführung (zweite Phase)
Der berufliche Einstieg beginnt mit einer verbindlichen Berufseinführungsphase („Induktion“) für alle pädagogischen Berufe und wird von erweiternden und vertiefenden Elementen der Qualifizierung begleitet, die Teil eines aufbauenden Masterstudiums sein können.
Die Induktionsphase baut auf die im Rahmen der integrierten Grundbildung erworbenen berufspraktischen und schulpraktischen Erfahrungen auf; sie reflektiert, erweitert und vertieft diese.
Während der Induktionsphase erfolgt in allen Bildungsbereichen der Einsatz als „Turnuskraft“. Der erfolgreiche Abschluss der Induktionsphase ist Voraussetzung für den weiteren Verbleib im Beruf.
In allen Einsatzfeldern sind Funktionen mit Bachelor-Niveau definiert.
In allen Einsatzfeldern sind Funktionen nach nachvollziehbaren Kriterien im Hinblick auf jeweilige Anforderungen definiert, deren Ausübung nur nach Absolvierung eines Masterstudiums erfolgen kann.
Für diese Funktionen ist die Berufseinführungsphase so zu gestalten, dass der Abschluss einer Masterqualifikation berufsbegleitend möglich ist.
Für den berufsbildenden Bereich werden eigenständige Qualifikationen mit vergleichbaren Niveaus (Bachelor, Master) entwickelt.
Für den vorschulischen und den sozialpädagogischen Bereich sowie für das sonderpädagogische Aufgabenfeld werden analog Funktionen definiert, die entsprechende Bacheloroder MasterQualifikationen erfordern.
Der Einsatz erfolgt jedenfalls auf Grund verfügbarer Funktionsposten.
Lebensbegleitendes Lernen, Fort- und Weiterbildung (dritte Phase)
Auf Basis des erfolgreichen Abschlusses der zweiten Phase der Lehramtsausbildung können funktionsbezogene Zusatzqualifikationen für Bereiche wie Schulmanagement, Schulleitung, Fachbereichsleitung, inklusive Pädagogik, Diversity Management, Management, IKT, Innovation und Qualitätssicherung, Bildungsverwaltung und Schulentwicklung oder für weitere Bereiche erworben werden („Master of Advanced Studies“).
Darüber hinaus ist die allgemeine Fortund Weiterbildung auf berufsbiographische Stationen und Entwicklungen in den pädagogischen Berufen abgestimmt.
Dies stellt einen verbindlichen Kern der Berufslaufbahn für alle Lehrkräfte dar. Unbeschadet davon erfolgt der Einsatz von Lehrkräften nach erforderlichen Funktionen.

Link: Endbericht „LehrerInnenbildung NEU. Die Zukunft der pädagogischen Berufe. Die Empfehlungen der ExpertInnengruppe“ http://www.bmukk.gv.at/medienpool/19218/labneu_endbericht.pdf



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Werden Lehramtskandidaten unterschätzt?

Dienstag, August 10th, 2010

Ob Lehrer und Lehrerinnen wirklich erfolgreich unterrichten können, hängt von ihrem Wissen und Können ab. Ob sie Chancen zur Weiterbildung nutzen, liegt allerdings wieder an ihren persönlichen Merkmalen, ihrer Motivation und ihren Fähigkeiten. In Diskussionen über die Kompetenzdefizite bei Lehrkräften kommt des öfteren vor, dasa der Grund für die Wahl eines Lehramtstudiums statt einem Fachstudium der ist, dass die kognitiven Fähigkeiten geringer sind. Weiters wird auch vermutet, dass sich viele von Dingen wie lange Ferien im Sommer etc. zu einem solchen Studium verleiten lassen.

Die in diesem Artikel vorgestellte Untersuchung soll zeigen, ob die These einer negativen Selektion bei Lehrkräften zutrifft. Kognitive und psychosoziale Voraussetzungen werden in Form unterschiedlicher Leistungsindikatoren, in Bezug auf berufliche und persönliche Interessen von zukünftigen Lehramtsstudenten mit denen die andere Fachrichtungen studieren, verglichen. Personen, deren Interessenorientierung, deren Fähigkeiten und Werthaltungen ähneln, entscheiden sich auch für ähnliche Berufe oder Ausbildungen. Kognitive Fähigkeiten sind der stärkste Prädikator für den Studien- bzw. Berufserfolg. Auch Persönlichkeitsmerkmale stehen in Verbindung im dem Studien- bzw. Berufserfolg. Häufige Motive bei angehenden Lehrkräften sind, dass sie den Umgang mit Kindern und Jugendlichen mögen, das fachliche Interesse und der gesellschaftliche Beitrag, den sie durch ihre Arbeit leisten. Laut einer  älteren Studie ähneln Lehramtsstudenten für die Sekundarstufe II  ihre kognitiven Eingangsvoraussetzungen betreffend eher den Magister- bzw. Diplomstudenten als den Lehramtsstudenten für Grund- und Hauptschule  (vgl. Klusmann, Trautwein, Lüdtke, Kunter & Baumert, 2009, S.266f).
Es handelt sich bei der Studie um die TOSCA – Studie (Transformationen des Sekundärschulsystems und akademischen Karrieren“, es ist eine Längsschnittuntersuchung in der seit dem Jahr 2002 insgesamt 4730 Schüler und Schülerinnen teilnahmen. Fähigkeits- sowie Wissenstests und psychosoziale Fragebögen mussten von den Schülern bearbeitet werden. Nach 2 Jahren wiederholte sich diese Prozedur. Vier Indikatoren werden zur Erfassung der kognitiven Leistung der Abiturienten berücksichtigt. Die Abiturienten mussten verschiedenste Tests machen die mittels Mittelwert ausgewertet. wurden (vgl. Klusmann, Trautwein, Lüdtke, Kunter & Baumert, 2009, S.269f).
Gymnasiumslehramtsstudenten und die die keine Lehramtsstudium besuchen, weisen die besten Abiturgesamtnoten auf und unterscheiden sich nicht signifikant voneinander. Diejenigen die sich für ein Grund-, Haupt- Real- oder Sonderschulstudium entschieden, wiesen ein schlechtere Abiturgesamtnote auf. Auch im Test über die allgemeinen kognitiven Fähigkeiten, beim Mathematik und Englischtest wiesen die Gymnasiumslehramtstudenten und die der anderen Studienrichtungen die besten Werte auf. Die die GHRS-Lehramt anstreben schneiden am schlechtesten ab in allen 4 Punkten. In Bezug auf die beruflichen Interessen unterscheiden sich die Gymnasiumslehramtstudenten jedoch von den „Nichtlehramtsstudenten“. Innerhalb der Lehramtsstudenten sind keine gravierenden Unterschiede festzustellen.

Zwischen den Gruppen zeigten sich im Bezug auf Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit Unterschiede. Wie bereits beim ersten Punkt unterscheiden sich Gymnasiumslehramtstudenten und Studenten anderer Studien kaum im Gegensatz zum Vergleich mit den anderen Lehramtsstudenten. Ein weiterer Test zeigte das Männer sich nicht so häufig für ein Lehramtstudium entscheiden wie Frauen (vgl. Klusmann, Trautwein, Lüdtke, Kunter & Baumert, 2009, S.271f).
Es ließen sich keine Belege für eine allgemeine Negativselektion im Bezug auf die Entscheidung für Lehramtsstudiengänge finden. Abiturienten die sich nach ihrem Abitur für ein Lehramtsstudium entscheiden, weisen genau wie diejenigen, die sich für ein anderes Studium entscheiden, keine schlechten Leistungswerte und keine ungünstigen Persönlichkeitsmerkmale auf. Weiters wurde klar, dass die beruflichen Interessen das Wichtigste bei der Studienwahl sind (vgl. Klusmann, Trautwein, Lüdtke, Kunter&Baumert, 2009, S.275f).

Literatur
Klusmann U., Trautwein U., Lüdtke O., Kunter M., & Baumer J. (2009). Eingangsvoraussetzungen beim Studienbeginn Werden die Lehramtskandidaten unterschätzt? Zeitschrift für Pädagogische Psychologie.



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Ziele der European Network of Teacher Education Policies

Montag, August 9th, 2010

Der Grundgedanke ist die Lehrerbildung so neu zu gestalten, dass diese die künftigen Generationen für das europäische Gemeinschaftsgefühl und Zugehörigkeit vorzubereiten. Diese Idee kommt von der ENTEP (European Network of Teacher Education Policies). Damit will man eine Steigerung der Qualität der Lehrerbildung erreichen, gemeinsam Lehrerbildungsprogramme entwickeln, welche der europäischen Dimension entsprechen. Weiteres geht es darum den Lehrerberuf besser in der Öffentlichkeit dazustellen und auch die Lehrermobilität in der EU zu erweitern. Es geht dabei nicht um ein bestimmtes, EU weit gültiges Lehrermodell, sondern darum wie man eine Lehrkraft „europäisch“ macht. Die Lehrer sollen sich gut geschult für das 21. Jahrhundert fühlen um den künftigen Anforderungen zu entsprechen. Es handelt sich dabei nicht um grundlegende Fähigkeiten zu unterrichten oder Fachwissen, sondern vielmehr darum Lehrer zu besseren Lehrern zu machen. Schüler sollen mehr über politische Bildung erfahren um in einer multikulturellen und toleranten Gesellschaft leben zu können.
Genauso wie die Kompetenzen der Lehrer gefördert werden, genauso sollen auch die der Schüler weiter entwickelt werden und zwar so, dass diese bereit sind für die neue Gesellschaft. Denn die neue Gesellschaft ist geprägt von neuem Wissen und neuen technologischen Möglichkeiten.
Nicht zu vergessen ist, dass es andauernd soziale Veränderungen durch die kulturelle und ethnische Vielfalt der Schüler gibt. Somit soll auch das Umfeld des Unterrichts verändert werden. Schüler sollen Teamfähig sein, über das Klassenzimmer hinaus mit anderen Sozialpartnern arbeiten können. Deshalb ist es wichtig, dass auch Lehrer am Schulcurriculum mitarbeiten, die Eltern mit ein beziehen in das Schulleben und ihre Professionalität im Unterricht steigern.

Der Europäische Gedanke im Schulwesen

LehrerInnen sind verantwortlich für die Bildung der zukünftigen Bürger der Union. Es soll eine Generation heranwachsen, welche zwar die Traditionen des eigenen Herkunftslandes bei behält, jedoch auch ein Grenzen überschreitendes, für neues offenes Bewusstsein schafft. Es geht nicht darum, den „europäischen Superlehrer“ zu konstruieren. Vielmehr die europäische Identität zu prägen, Kenntnisse über Europa zu vermitteln, europäische Sprachkenntnisse zu erweitern und zu verbessern, ein Gefühl für europäische Professionalität, Bürgerschaft und Qualität geben zu können.
Es gibt auch einige Vorteile für die Lehrkräfte. Sie haben die Möglichkeit innerhalb der EU unterrichten zu können, andere Kulturen zu erleben und Sprachkompetenzen zu erweitern oder gleich neu zu bilden. Dadurch wird den Schülern auch die Chance geboten Kontakte mit Gleichaltrigen aus dem gesamten EU Raum zu knüpfen. Austauschprogramme können viel leichter stattfinden. Dies führt zum Zusammenwachsen der Union und fördert die kulturelle Vielfalt als beispielhaftes miteinander Leben in der Zukunft. Denn dies ist natürlich viel einfacher, wenn durch „europäische Lehrkräfte“ über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg unterrichtet wird. Eine weitere Folge dieses Modelles kann sein, dass die Schüler besser auf ein Leben in der europäischen Gemeinschafft vorbereiten können, multikulturelle Werte viel besser vermittelt werden. Die Schüler profitieren genauso von der Möglichkeit die Sprachkompetenzen zu erweitern, und können sich allgemeine Kultur kennen zu lernen, dieser aber auch aus kritischen Blickwinkeln zu betrachten. Autonome, verantwortungsbewusste und aktive europäische Bürger sollen daraus resultieren.

Literatur
Schratz, M. (2009). Kompetenzen einer europäischen Lehrerin/eines europäischen Lehrers. Erziehung und Unterricht, 159, 111-118.



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