Bildung braucht Persönlichkeit

Die an den Universitäten betriebene Didaktik und Pädagogik ist nach Gerhard Roth für die Schulpraxis in großem Maße irrelevant, da die Hochschul-Didaktiker die von Psychologen und Neurobiologen gewonnenen Einsichten nicht akzeptieren oder sogar vehement ablehnen. Seiner Meinung nach vergessen Lehrer das an der Universität Gelernte rasch und wursteln sich mit Versuch und Irrtum durch ihr Berufsleben. Das deutsche Schulsystem und vermutlich das ähnlich aufgebaute österreichische besitzt letztlich einen Wirkungsgrad, der gegen Null strebt. Intelligenz, Motivation und Fleiß sind die drei Säulen, auf denen der Lernerfolg beruht, wobei Bildung dabei mehr ist als bloß erlerntes Wissen, denn im Zentrum von Bildung steht zuerst die Persönlichkeit des Lernenden.
In den Bildungsbehörden existiert nach Roth der Wahn, Schüler müssten immer mehr wissen und lernen, aber statt Unmengen von Wissen in die Schüler hineinzupressen, sollten die Lernpläne radikal reformiert und entschlackt werden, denn das Gehirn ist keine Festplatte mit fast beliebiger Kapazität. Lerninhalte sollten anschaulich und alltagsnah präsentiert werden, entscheidend für das Einprägen ins Gedächtnis sei Wiederholen in zunehmend längeren Abständen: nach sechs Stunden, nach einem Tag, nach zwei Wochen – siehe dazu das Prinzip der Lernkartei.
Der motivierte Lehrer ist für eine erfolgreiche Schulbildung von zentraler Bedeutung, denn er ist weit mehr als ein Diskussionsleiter oder Informationssender. Sein Engagement und seine Begeisterungsfähigkeit entscheiden darüber, ob auch die Schüler mitgerissen werden, da der Lehrer für den Schüler eine Leitfigur, ein Vorbild sein sollte. Nach Roth ist das Rückgrat des Unterrichts noch immer der klassische Frontalunterricht, aber auch hier gilt, dass weniger Stoff, gut aufbereitet, mehr wert ist als viel Stoff, in Eile dargeboten. Die Gehirnforschung kann zusammen mit der Psychologie Hilfestellung leisten, aber Didaktik, Pädagogik und Lernpraxis nicht ersetzen.




Eine Reaktion zu “Bildung braucht Persönlichkeit”

  1. Franz Josef Neffe

    Man kann es ohne weiteres durch einfache sorgfältige Beobachtung herausfinden und experimentell nachprüfen und bestätigen:
    Probleme ERSCHEINEN nur als SACHprobleme,
    sie SIND aber immer PERSÖNLICHE Probleme.
    So ist es in der neuen Ich-kann-Schule auf den Punkt gebracht.
    In unseren Du-musst-Schulen stürzt man sich immer auf die SCHEINprobleme und macht dadurch die SEINSprobleme noch größer und vermehrt sie.
    Wenn man das erkannt und verstanden hat, wird Problemlösung einfach und funktioniert.
    Die Ich-kann-Schule sorgt für Persönlichkeitswachstum, dann wird der Betroffene seinen Aufgaben gewachsen und fühlt sich ihnen auch gewachsen. Oft kann man dann beobachten, wie ohne irgendeine Übung plötzlich Aufgaben gelöst werden, die vorher durch sog. Tests „wissenschaftlich gesichert“ als unlösbar gehandelt wurden. Da hat die Wissenschaft sich ziemlich oft geirrt.
    Freundlich grüßt
    Franz Josef Neffe

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