Der Legastheniebegriff und die Folgen einer einseitig medizinischen Sichtweise

1. März 2018 – 15:51

Unter dem Titel „Der Legastheniebegriff und die Folgen einer einseitig medizinischen Sichtweise“ schreibt Dr. Nicole Robering: „Wünschenswert im Sinne von Handlungsmöglichkeiten eröffnend wäre eine höhere Akzeptanz von Unterschiedlichkeit und eine größere „Fehlerfreundlichkeit“ in Schule und Gesellschaft. Zusätzlich könnte eine größere „Fehlerfreundlichkeit“ die Kinder vor Entwertungen und negativen Selbstzuschreibungen schützen. Diese Fehlerfreundlichkeit ist in der Arbeit mit Kindern mit Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb im doppelten Sinne bedeutsam. Ein anderer Umgang mit Fehlern muss dabei nicht bedeuten, dass Rechtschreibförderung aufgegeben oder als unnötig abqualifiziert wird. Auch dies wäre wieder eine einseitige Position in einer ohnehin von Einseitigkeit dominierten Diskussion.
Von großer Bedeutung bleibt in jedem Fall, in welche Haltung der Umgang mit Schriftsprache und insbesondere auch der Umgang mit Fehlern eingebettet ist: in eine festschreibende, die Handlungsmöglichkeiten einengende Haltung, oder in eine unterstützende, die Handlungsmöglichkeiten erweiternde Haltung.“

Siehe dazu Legasthenie



Das reziproke Lernen

31. Januar 2018 – 15:25

Beim von den Erziehungswissenschaftlerinnen Annemarie Palinscar und Ann Brown Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts entwickelte Verfahren des „Reziproken Lehrens und Lernens“ zur Förderung leseschwacher Schülerinnen und Schüler werden SchülerInnen in Gruppen mit 4 bis 7 Mitgliedern eingeteilt und übernehmen beim Gespräch über einen Sachtext abwechselnd zwei unterschiedliche Rollen: Als GruppenleiterInnen fordern sie die Anwendung einer weitgehend festen Sequenz von Strategien, die das Gespräch strukturieren; als lernende Gruppenmitglieder wenden sie diese selbst an. Sie gehen so den Weg vom Lernen zum Lehren und umgekehrt.

Ablauf
Nachdem der erste Abschnitt des Textes still gelesen und dann vorgelesen worden ist, hat die Gruppenleiterin bzw. der Gruppenleiter das erste Wort. Das Gespräch kann sich wie folgt entwickeln:

  • Sie stellen Fragen, die aus dem Text heraus beantwortet werden können.
  • Sie formulieren und schlagen eine Zusammenfassung des Textabschnitts vor.
  • Sie fordern zu Worterklärungen und zur Erläuterung unklarer Textstellen auf.
  • Sie „wagen“ zum Abschluss ihres Rollenparts eine Vorhersage dessen, was der folgende Textabschnitt wohl bringen wird.

Alle Gruppenmitglieder wenden die Strategien an: Sie antworten, fragen ihrerseits, ergänzen, verbessern, klären, fordern Klärungen ein, stellen Hypothesen auf und prüfen – und das viele Male. Dabei geht es um strukturierten und kooperativen Wissensaufbau. Am besten wird das Muster des strategischen Vorgehens dadurch eingeführt, dass es praktisch „vorgeführt“ wird.



Educational Governance

23. Dezember 2017 – 11:28

In den Bildungssystemen Europas sind gravierende Umbauten institutioneller Regelungsstrukturen zu verzeichnen: In den Schulen werden beispielsweise im Kontext von PISA schulische Gestaltungsspielräume erhöht, Bildungsstandards und externe Evaluations- und Beobachtungsverfahren eingeführt. Diese Veränderungen der Steuerungs- und Koordinations- Praxis führen in jüngster Zeit zu einer Reihe von wissenschaftlichen Beiträgen, die mit dem Governance-Begriff analytisch arbeiten, um die institutionellen Umbauten nachzuvollziehen, ihre vielfältigen Wirkungen zu erfassen und Orientierungswissen zu bieten. Der Band stellt das Konzept „Governance im Bildungswesen“ vor und liefert aus verschiedenen sozialwissenschaftlichen Bezugsdisziplinen neue Perspektiven für Steuerungsprozesse im Bildungswesen.



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